Always like the lovely faces
Ehrlich: Ich mag sie auch, „lovely faces“ – schöne Gesichter. Manchmal aber trügt der Schein. Hinter äußerlich sichtbarem Lächeln steckt etwas ganz anderes: Hoffentlich merkt niemand, wie es mir wirklich geht. Keiner soll mitbekommen, dass und wenn mir das Lächeln oder das Lachen vergangen ist. Die Gründe dafür sind so unterschiedlich, wie Menschen es sind: Schwierigkeiten mit mir selbst oder mit anderen. Und jetzt?
Manche wenden sich an mich, weil sie reden wollen. Über das sprechen, was sie sonst nicht in Worte fassen. Wer mit sich oder ihrem/ seinem Gegenüber momentan nicht klarkommt, braucht nicht hilflos oder ratlos zu bleiben. Unterstützung hat viele Gesichter. Eines davon darf ich sein. Wenn nach einem Gespräch jemand wieder lächeln kann, freue nicht nur ich mich darüber. Ich bin kein Problemlöser und kann niemanden die Sorgen abnehmen. Aber wir können miteinander und gemeinsam nach dem suchen, was zu einem ersten Schritt in Richtung „lovely face“ führen kann.
Always like the lovely faces
Bei Schülerinnen, Schülern und Erwachsenen gilt es oft als „uncool“, nicht gut drauf zu sein. Wer sich stets optimal und hervorragend darstellen kann, erhält Anerkennung, Zuneigung, Likes und Follower. Aber – welch Wunder – sogar außerhalb mancher „Social Media Blasen“ ist gutes und erfüllendes Leben möglich. Sogar, wenn und weil einen die Wirklichkeit manchmal schneller einholt, als mir lieb ist. Dass nicht jeden Tag die Sonne scheint und nicht immer alles großartig sein kann, ist hinreichend bekannt. Gefühle sind nach Ansicht nicht weniger o.k. – aber bitte nur die guten. Eine Wunschvorstellung, die mit dem Alltag wenig und manchmal überhaupt nichts mehr zu tun hat.
Wenn ich das Kleidungsstück auf dem Foto genauer ansehe, finde ich nicht überall ein Lächeln. Das, was nicht lächeln und manchmal schwer zu (er-)tragen ist, gehört zum Leben wie Gewürze zu einer Mahlzeit.
Wenn ich etwas erreichen will, muss ich mich darum bemühen. Mich dafür einsetzen. Auch, wenn und weil das Mut, Kraft und Zeit kostet, die ich anderweitig nutzen könnte. Das kann mir niemand abnehmen. Es bedeutet, dass ich meine Komfortzone verlassen muss, in der ich mich zu gern aufhalte. Dort fühle ich mich wohl. Ich kann entspannen und neue Kräfte sammeln für das, was vor mir liegt. Dem habe ich mich zu stellen. Ob ich will oder nicht. Ausreden gibt es nicht und bange machen gilt nicht. Ob das zu deutlich ist?
Always like the lovely faces
All das, was sich innerhalb und außerhalb der St. Mauritius-Sekundarschule tut, ist und bleibt eine stete Herausforderung. Jeden Tag neu und immer wieder. Für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen. Zu einem guten Miteinander wo und wobei auch immer tragen Einfühlungsvermögen, Liebe zu anderen und zu mir, Respekt vor der Unterschiedlichkeit anderer und Geduld bei. Rom ist auch nicht an einem Tag erbaut worden. Wir haben alle einmal klein angefangen und waren – und sind es zeitlebens in unterschiedlichem Maß - auf die Unterstützung anderer angewiesen. Damit sich etwas zum Guten entwickeln und sich entfalten kann, braucht es die „lovely faces“. Die helfen können, nicht jedes Wort auf die Goldwaage zu legen. Die es ermöglichen, über mich selbst lächeln oder lachen zu können. Wenn ich mal wieder etwas versemmelt und nicht hinbekommen habe. „Lovely faces“ können dazu beitragen, die Einmaligkeit und die Einzigartigkeit alles Geschaffenen als solches neu zu sehen, zu erkennen und mich darüber zu freuen. Auch wenn und weil nicht alles perfekt ist. Ich selbst bin es ja auch nicht. Ein gutgemeintes, echtes Lächeln verändert manchmal mehr, als ich meine. Nicht nur in der St. Mauritius-Sekundarschule.
Br. Clemens Wagner ofm, Schulseelsorger