Liebe Schülerinnen und Schüler,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
wir haben heute im Gottesdienst über einen neuen Schulanfang, über ein neues Schuljahr und über neue Chancen nachgedacht. In der Lesung aus dem Buch Josua haben wir gehört: „Sei mutig und stark.“ Diese Worte passen sehr gut zu einem neuen Anfang. Denn für jeden und jede von uns bedeutet dieser Start etwas anderes.
Für einige beginnt heute ein ganz neuer Abschnitt. Vielleicht betretet ihr unsere Schule zum ersten Mal. Vielleicht kennt ihr noch niemanden und fragt euch: Wer wird neben mir sitzen? Wie werden die anderen sein? Werde ich mich zurechtfinden? Werde ich Anschluss finden?
Für andere ist vieles vertraut. Räume, Gesichter, Lehrerinnen und Lehrer, Mitschülerinnen und Mitschüler – und trotzdem ist dieser Tag nicht einfach nur eine Fortsetzung des vergangenen Schuljahres. Auch wenn wir vielleicht in altbekannten Konstellationen zusammenkommen, hat sich jede und jeder von uns in den vergangenen sechs Wochen verändert.
Wir haben neue Erfahrungen gesammelt. Vielleicht waren wir unterwegs, haben Menschen getroffen, neue Dinge ausprobiert. Vielleicht haben wir etwas erlebt, das uns nachdenklich gemacht hat. Vielleicht haben wir etwas Neues gelernt. Und hoffentlich haben wir auch einfach einmal ausgeschlafen und waren ein bisschen faul. Auch das darf sein.
Heute starten wir gemeinsam in ein neues Schuljahr. Wir beginnen mit 257 Schülerinnen und Schülern, mit 28 Lehrkräften – darunter unsere neue Kollegin Frau B. (Deutsch in 5/1) –, mit sechs weiteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie mit fünf individuellen Integrationshelferinnen und Integrationshelfern. Unterstützt werden wir von altbekannten Gesichtern wie Frau M. und vielen anderen und ebenso von neuen Menschen, die unsere Schulgemeinschaft bereichern.
Jede und jeder bringt eigene Erfahrungen, Hoffnungen und Erwartungen mit. Und genau darin liegen Chancen.
Eine Chance, neue Ziele zu setzen und sie zu verfolgen.
Eine Chance, etwas Neues zu lernen.
Eine Chance, neue Freundschaften zu schließen.
Eine Chance, neuen Mut zu fassen.
Eine Chance, auch als Gemeinschaft neu zusammenzuwachsen.
Vielleicht nimmt sich jemand vor, in diesem Schuljahr aktiver mitzuarbeiten. Vielleicht möchte jemand seine Leistungen verbessern. Vielleicht möchte jemand mutiger werden und sich mehr zutrauen. Vielleicht möchte jemand auf andere zugehen oder sich Unterstützung holen, wenn etwas schwierig wird.
Niemand muss alles sofort können. Ein neues Schuljahr bedeutet nicht, dass wir ohne Fehler starten müssen. Es bedeutet vielmehr, dass wir immer wieder neu anfangen dürfen. Wir dürfen ausprobieren, scheitern, nachfragen, weitermachen und aus unseren Erfahrungen lernen.
Für mich ist dabei besonders wichtig, dass wir uns freundlich und respektvoll begegnen. Unsere Schule soll ein Ort sein, an dem sich alle wohlfühlen können. Ein Ort, an dem jeder Mensch so sein darf, wie er ist, ohne Angst haben zu müssen, ausgelacht, abgewertet oder ausgeschlossen zu werden.
Aber wie kann Respekt im Alltag sichtbar werden?
Einen Anfang haben wir heute Morgen bereits gemacht: Wir grüßen uns freundlich. Mit einem „Guten Morgen“, einem Lächeln oder einem kurzen Blick zeigen wir: Ich sehe dich. Du bist willkommen. Du gehörst dazu.
Auch bevor wir etwas zu einer anderen Person sagen, können wir kurz überlegen: Ist das, was ich sagen möchte, freundlich und hilfreich? Oder könnte es die andere Person verletzen?
Eine gute Regel kann dabei sein: Ist das, worauf ich hinweisen möchte, innerhalb von 30 Sekunden veränderbar? Hat jemand zum Beispiel einen Tomatenklecks im Gesicht oder einen offenen Reißverschluss, dann ist es freundlich, darauf hinzuweisen. Die Person kann es schnell verändern und ist vielleicht sogar dankbar für den Hinweis.
Trägt jemand jedoch ein bestimmtes T-Shirt, hat jemand eine besondere Frisur oder eine Haarfarbe, die uns nicht gefällt, dann müssen wir das nicht kommentieren. Nicht alles, was uns auffällt, muss auch ausgesprochen werden.
Ich möchte euch deshalb eine Frage mitgeben: Würde ich das, was ich gerade sagen möchte, in diesem Moment selbst hören wollen?
Wenn die Antwort „Nein“ lautet, dann sage ich es nicht.
Das klingt manchmal ganz einfach. Und trotzdem ist es eine wichtige Aufgabe, im richtigen Moment innezuhalten. Denn Worte können verletzen – aber Worte können auch stärken, Mut machen und einen Menschen willkommen heißen.
Wenn wir freundlich grüßen, aufmerksam zuhören, Rücksicht nehmen und respektvoll miteinander umgehen, dann schaffen wir gemeinsam einen Ort, an dem jede und jeder so sein kann, wie er oder sie ist.
Das neue Schuljahr bietet uns dafür viele neue Chancen. Wir können uns gegenseitig unterstützen. Wir können neue Wege ausprobieren. Wir können füreinander da sein, wenn etwas schwerfällt. Und wir können den Mut haben, Veränderungen anzustoßen, wenn wir merken, dass etwas noch besser werden kann.
„Sei mutig und stark“ – diese Worte aus der Lesung bedeuten für mich nicht, dass wir niemals Angst haben oder unsicher sein dürfen. Mut heißt nicht, keine Sorgen zu haben. Mut bedeutet, trotz der Sorgen den nächsten Schritt zu gehen. Hilfe anzunehmen. Auf andere zuzugehen. Für sich selbst und für andere einzustehen.
Lasst uns also gemeinsam mutig und stark in dieses neue Schuljahr starten: mit neuen Zielen, neuen Ideen, neuen Erfahrungen und mit einem freundlichen Blick füreinander.
Ich wünsche uns allen ein Schuljahr, in dem wir viel lernen, miteinander lachen, Herausforderungen bewältigen und als Gemeinschaft weiter zusammenwachsen.
Ich wünsche uns Rücksichtnahme, Wertschätzung und Respekt.
Und ich wünsche uns, dass jede und jeder von euch am Ende dieses Schuljahres sagen kann:
Hier bin ich willkommen. Hier darf ich ich selbst sein. Hier habe ich etwas gelernt. Und hier bin ich ein Stück gewachsen.
Einen guten Start in das neue Schuljahr!